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Abbildung von Max Factors Beauty Calibrator 1933
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Maskenbild im Wandel der Zeit

Der Mensch experimentiert schon seit vielen Jahrtausenden mit Schminke und Make-up. Schon bevor die Ägypter mit pflegenden Hautcremes, Kohle-Lidstrich und mit teilweise gefährlichen Mixturen ihr Erscheinungsbild beeinflussten, hat der Mensch nicht nur Höhlenwände bemalt, sondern auch den eigenen Körper. In allen Kulturen und zu jeder Zeit hatten Masken, Schminke und Make-up einen nicht zu unterschätzenden Platz im Leben der Menschen. Spätestens seit dem antiken Theater ist Make-up auf der Bühne nicht mehr wegzudenken.

Zuerst bemalte der Medizinmann die Krieger, bevor sie zur Jagd aufbrachen, später verwandelten erste Make-up Artists und Maskenbildner die Darsteller für die Bühne. Aus den Berufen des Friseurs und des Perückenmachers entwickelte sich dann im Laufe der Zeit am Theater der Beruf des Maskenbildners. Als dann zum Ende des 19. Jahrhunderts die Bilder laufen lernten, wurde in Filmen zuerst noch viel mit Theatertechniken gearbeitet. Die Filmherstellung fand erst im Laufe der kommenden Jahrzehnte seine eigenen Bedürfnisse. Und schon mit den ersten Filmen, die in schwarz-weiß auf Celluloid aufgenommen wurden, begannen die Probleme für den Make-up Artist, der zu dieser Zeit noch oft der Schauspieler selbst war.

Das orthochromatische Filmmaterial konnte vereinfacht gesagt nur ein begrenztes Farbspektrum (blaues Licht) wahrnehmen. Es verdunkelte weiße Haut und löschte die Rottöne in ihr aus. Um dem entgegenzuwirken wurden hellhäutige Schauspieler mit der damals üblichen Fettschminke in rosa im Gesicht geschminkt und die Lippen mussten mit einem sehr dunkelroten Lippenstift nachgezeichnet werden, da sie sonst weiß abgebildet wurden. Man arbeitete mit Make-up Produkten aus dem Theater, die eine sehr dicke Konsistenz hatten und keine Details der Haut zeigten. Unter mehreren Schichten Fettschminke schwitzen die Schauspieler unter den noch sehr heiß werdenden Scheinwerfern (an dieser Stelle ein Hoch auf die LED-Technik), was man bei jedem näheren Bildausschnitt sehen konnte. Zudem war es für die Gesundheit der Haut nicht förderlich, da die Poren mit der Fettschminke verstopft wurden und die Haut nicht atmen konnte. Keine guten Bedingungen für ein feines, ausgeglichenes Hautbild.

Der Film verbreitete sich schnell als neues Medium und schon bald wurde mit verschiedenen Ausschnitten und Perspektiven experimentiert. Das Close-up brachte die ersten Film-Maskenbildner dann in Zugzwang. Man musste neue Produkte entwickeln, die eine leichtere Textur und realistische Hautfarbtöne zuließen. Pioniere dieser Zeit waren der englische Perückenmacher George Westmore und der in Los Angeles lebende polnische Einwanderer Max Factor. Beide erkannten, dass Film-Make-up andere Anforderungen erfüllen musste als das bisher übliche Theater-Make-up.

Schon Mitte der 1920er Jahre wollten die Filmemacher realistische, nicht theatertypisch maskenhafte Make-up Effekte für ihre gruseligen Gestalten und Monster haben. Auch in der sich vom Make-up Artist abspaltenden Tätigkeit des Special-Effects Artists musste mit diversen Materialien und Möglichkeiten experimentiert werden. Seitdem kam mit jeder technischen Erneuerung der Filmtechnik auch ein neues zu lösende Problem im Make-up Bereich auf. Der Farbfilm machte da nur den Anfang. Neben Beschaffenheit und Anwendung der Produkte musste auch vermehrt auf die Verträglichkeit und Belastbarkeit geachtet werden. Die Schminktechnik musste jeweils dem technischen Fortschritt und auch den wechselnden Sehgewohnheiten und den Schönheitsidealen angepasst werden.

Ein Film-Make-up wurde früher aus verschiedenen dicken Schichten Schminke aufgebaut. Das Gesicht konnte regelrecht mit Farbe und mit gekonntem Einsatz von Helligkeit und Schatten modelliert werden. Auf Unebenheiten legte man einfach so viele Schichten Farbe, bis diese nicht mehr zu sehen waren. Mit den digitalen Filmkameras, die im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre aufkamen, und der immer höheren Auflösung der Bilder musste das Make-up nochmal verfeinert werden. Jede Schicht Farbe oder Puder war auf einmal deutlich erkennbar. Mit den bis dato üblichen Produkten konnte man kaum noch arbeiten. Auch die Art des Auftragens musste wieder angepasst werden. Bei den hochauflösenden Bildern in HD-Qualität konnte man die Pinselstriche, mit denen das Make-up aufgetragen wurde, sehen, oder auch Abdrücke von Schwämmchen und Fingern. Ähnlich sensibel war die Situation mit Perückenansätzen, deren Tüll nun sehr deutlich zu sehen war, oder auch bei Kleberändern von Prosthetics. In all diesen Bereichen mussten wieder neue Wege gefunden werden. Mit Airbrush, Filmtüll und Silikon machten es die Maskenbildner möglich auch auf hochauflösenden Bildern gute Effekte zu erzielen. Dabei wurde auch die Vorbereitung der Haut immer wichtiger. Bevor überhaupt Schminke auf das Gesicht aufgetragen werden kann, sollte die Haut mit Glanz-lindernden Primern und nicht-fettenden Feuchtigkeitsprodukten vorbereitet werden. Denn Produkte wie Puder, die früher gegen den Glanz angewandt wurden, hinterlassen auf der Haut ganz feine, mit dem bloßen Auge kaum erkennbare Rückstände, die auf hochauflösendem Bildmaterial allerdings deutlich zu sehen sind.

Als dann auch die HD-Qualität überholt wurde, musste die Arbeit des Make-up Artist einen weiteren Schritt machen und zunehmend immer unsichtbarer werden, aber dennoch wirksam sein. Mit speziellen, sehr feinen Produkten und dem Prinzip des Ausgleichens - in dem z.B. eine Rötung nicht mehr überschminkt wird, sondern mit der Komplementärfarbe gegengewirkt wird – ist es dem Make-up Artist möglich auch diese neue technische Entwicklung zu begleiten.

Im Gegensatz zu früher, als eine neue Technik mehrere Jahrzehnte Standard blieb, erneuern sich nun in kürzester Zeit die Anforderungen. Jede der heute üblichen Cine Kameras bringt ihre eigene Herausforderung für den Maskenbildner mit und so muss er sich vor jedem neuen Projekt, bevor es überhaupt um das eigentliche Make-up Design geht, mit den Departments Kamera und Licht absprechen. Auch die immer mehr angewandten CGI-Effekte entstehen in enger Zusammenarbeit mit den Special-Effect und Make-up Artists. Denn das hat sich bei der Filmherstellung seit seinen Anfängen nicht geändert, nur wenn alle Departments zusammenarbeiten, kann ein guter Film entstehen.

- Jenny Wieland, Dipl. Maskenbildnerin

 

Begriffsklärung: Maskenbildner

Seit 2003 ist der Beruf des Maskenbildners (europaweit einmalig) in Deutschland staatlich anerkannt und die Ausbildung ist auf drei Jahre nach dem dualen Ausbildungssystem festgeschrieben. Daneben gibt es schulische Ausbildungen an Berufsfachschulen. Das Studium wird an staatlichen oder privaten Hochschulen angeboten. Eine vorherige Friseurausbildung ist nicht mehr zwingend nötig, da im Lehrplan auch das Haareschneiden steht. Zur Prüfung muss ein Fassonschnitt (Herrenkurzhaarschnitt) von Hand mit Schere geschnitten, nach Maßstäben der Friseurprüfung, gezeigt werden.

Anders als in vielen anderen Ländern, ist der Maskenbildner nach Abschluss der anspruchsvollen Ausbildung in Deutschland ein Allrounder. Er beherrscht viele Techniken und kann ein breites Spektrum abdecken, wie: Beauty Make-up, Historische und Moderne Frisuren, Theaterschminke, Herstellung von Perücken und Haarteilen, Modellieren und Formenbau, Spezial Effekte (SFX) aus diversen Materialen (Silikon, Latex, Schaum, etc.), Airbrush und vieles mehr. Dies unterscheidet den Maskenbildner von verwandten Berufen wie dem Make-up Artist, Visagist, Kosmetiker, Friseur. Der Maskenbildner kann mit seinem umfangreichen Können am Theater, beim Film, für Foto- und Kunstprojekte arbeiten.

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Mask, Make up artist, SFX artist